Warum treten Menschen auf einmal wieder in Parteien ein, allen voran in die SPD? Fünf Neu-Mitglieder verschiedener Couleur geben Auskunft.

Aktiv etwas für seine Werte tun
„Mich macht es stolz, jetzt aktiv in der Politik zu sein und zu gestalten.“ Vor einer Woche ist Natalie Kern der SPD beigetreten. Warum jetzt? „Ich wollte mich mehr engagieren“, sagt die 20-Jährige. Natürlich spielt auch Martin Schulz eine Rolle. „Er ist sehr nah an den Menschen und ich denke, er kann meine Interessen gut vertreten.“ Bei Sigmar Gabriel habe sie keine Leidenschaft verspürt. Schulz hat sie mitgerissen.

Alleine ausschlaggebend war er aber nicht: „Man muss aktiv was gegen die rechtspopulistischen Parteien und etwas für seine Werte tun.“ Zur SPD ist sie gegangen, weil sie „die Werte verkörpert, die ich in der Gesellschaft sehen will“. Ihr Onkel, den sie als politisch „sehr aktiv“ beschreibt, habe sie dazu bewogen, zu den Jusos zu gehen. Inhaltlich kann Natalie Kern sich vorstellen, gesundheitspolitisch zu arbeiten – sie macht gerade eine Ausbildung in der Krankenpflege. „Und die Asylpolitik muss dringend bearbeitet werden.

Die Schere geht immer weiter auseinander
Die AfD, Trump, Brexit, der Aufschwung rechtspopulistischer Parteien – für den 19-jährigen Hendrik Fischer gibt es viele Gründe, sich stärker zu engagieren. Vor allem aber geht es ihm um die soziale Gerechtigkeit: „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, da muss man gegensteuern.“ Die SPD sei „mit Abstand“ die beste Partei, um die soziale Situation in Deutschland zu verbessern, findet der junge Mann.

Vor zwei Wochen ist Fischer, der das Aicher-Scholl-Kolleg besucht, in die Partei eingetreten – nicht nur wegen Martin Schulz, auch, wenn er „ein großer Pluspunkt“ war. Der Entschluss sei seit etwa einem dreiviertel Jahr in ihm gereift. „Ich würde so etwas aber nie nur wegen einer Person tun.“ Was ihm an Schulz gefällt? „Dass er eigentlich der erste ist, der aus der Europapolitik in die Bundespolitik gewechselt ist. Er lebt den Gedanken der EU.“

Für Menschenrechte eintreten
„Wenn man ein politischer Mensch ist, dann muss man jetzt etwas unternehmen.“ Joannis Vamvakis hat sich schon im vergangenen Sommer mit dem Gedanken getragen, in die SPD einzutreten, jetzt hat er es getan. 1997 war der 36-jährige leitende Angestellte sogar schon mal für ein Jahr aktiv bei den Jusos. Gerhard Schröder fand er „phänomenal“. Zu dessen Agenda-Politik sagt er: „Die Grundsätze waren richtig, ich hab’ das immer verteidigt. Aber man hätte früher korrigieren müssen.“

Lange hat Vamvakis nach einer Partei gesucht, die seiner politischen Einstellung noch näher kommt, die noch etwas besser zu ihm passt, „eine jüngere Partei, in der man mehr Einfluss hat.“ Gefunden hat er die nicht. Jetzt also doch die alte Tante. Er will sich gegen den Populismus stellen: „Man muss die Demokratie, die Menschenrechte und den Sozialstaat verteidigen.“

Zurück zu den Grundsätzen
Die Lage in Europa und der Rechtspopulismus haben Alexander Koyro nicht unbeeindruckt gelassen. Der 24-Jährige studiert Sozialwissenschaften und ist der SPD schon Ende November beigetreten, weil er sich politisch engagieren wollte. Koyro glaubt, dass das Potenzial der Partei durch Martin Schulz genutzt wird. „Ich will dazu beitragen, dass die SPD wieder stärker soziale Ungerechtigkeit bekämpft und zu ihren sozialdemokratischen Grundsätzen zurückkehrt.“

Aktiv werden, nicht warten
Für sein parteipolitisches Engagement nennt Ferdinand Lautier-Skanda, der Ende November Grünen-Mitglied geworden ist, gleich drei Gründe. Der erste ist auch der persönlichste: Vor etwas mehr als einem Jahr ist seine Nichte auf die Welt gekommen, ihr Vater hat türkische Wurzeln. „Ich habe Angst um ihre Zukunft, und dass sie diskriminiert wird“, erklärt der 30-jährige Kalibriertechniker. Zweiter Punkt: Der Rechtsruck. „Das mit der AfD gefällt mir gar nicht.“ Schließlich der erfolgreich geführte Wahlkampf von Donald Trump: „Zu hören, dass der Klimawandel eine Lüge ist, war ein Schlag ins Gesicht.“ Er könne inzwischen nicht einmal mehr den Kopf über den US-Präsidenten schütteln.

Umweltpolitik entscheidend
Stattdessen hat sich Lautier-Skanda entschieden, aktiv zu werden, auf die Straße zu gehen, in die Partei einzutreten. „Der Ruck kam aber erst, als es mich fast schon persönlich getroffen hat. Ich kann nicht nur immer vier Jahre warten, um zur Wahl zu gehen.“ Mit den Grünen habe er schon immer sympathisiert. Zwar gebe es noch andere Parteien, die soziale Gerechtigkeit wollen. Die Umweltpolitik war ihm aber am wichtigsten. „Kommende Generationen sollen mit dem restlichen Europa in Harmonie leben und noch raus gehen können.“ Sein Fazit: „Ich hätte schon viel früher eintreten sollen.“

Engagement für andere
„Politik findet auch direkt vor der Haustür statt“, sagt Andreas Steur. Er ist schon vor gut anderthalb Jahren in die CDU eingetreten. Und geblieben. Denn: „Schimpfen kann man viel“, findet der 24-Jährige, „man kann es aber nur besser machen, wenn man sich engagiert.“ Aus diesem Gedanken heraus sei die Parteimitgliedschaft der logische Schritt für ihn gewesen. „Die Gesellschaft lebt davon, dass sich Leute engagieren“, ist der Student der Wirtschaftswissenschaften überzeugt.

Söflingen ist näher als Berlin
Steur hat sich schon immer für Politik interessiert. Im Zweifel liegt das Söflinger Parkraumkonzept eben näher als die große Berliner Politik, die oft weit weg ist von den Menschen. Zur Jungen Union ist er gegangen, weil seine Interessen, Werte und Vorstellungen mit denen der Partei am besten d’accord gehen. Außerdem sei ein guter Freund auch schon in der Partei gewesen, so ist dann der Kontakt zustande gekommen. „Natürlich bin ich nicht immer zu 100 Prozent mit allem einverstanden, aber die Übereinstimmung von Interessen und Werten ist am größten.“ Für ihn sei es an der Zeit gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Das tut er inzwischen im Vorstand von Junger Union und Stadtverband sowie als stellvertretender Vorsitzender der CDU Söflingen.

Quelle: SWP – Christine Liebhardt